7 Monate ATI unter Linux – Spaß ist anders

Linux auf dem Notebook ist heutzutage kein wirkliches – von niedrigeren Akkulaufzeiten mal abgesehen – Problem mehr. Wenn allerdings aktuellere Grafikhardware von ATI verbaut ist, fängt die ganze Angelegenheit doch an, unbequem zu werden.

Als ich mir im Juni 2007 mein Thinkpad T60p gekauft habe, dachte ich mir:
„So schlimm können die ATI-Treiber doch nicht sein…“

Heute – über 7 Monate später – sehe ich die Sache anders…

Vorwarnung: Ich habe weder generell etwas gegen ATI, noch will ich sagen, dass es allen Benutzern so geht. Dies sind rein persönliche Eindrücke und Erfahrungen.

Im Juni 2007 habe ich mir also ein IBM/Lenovo Thinkpad T60p gekauft. Die Ausstattung kann sich mit einem 2.33 GHz Intel T7600, 14,1" SXGA+ (1400×1050), ATI Mobility FireGL V5250 mit 256 MB dediziertem Speicher und 2 GB RAM durchaus sehen lassen.

Da ich Windows mittlerweile nicht mehr benutzen mag, installierte ich direkt nach dem Kauf Ubuntu 7.04 „Feisty Fawn“. Dieses bringt den proprietären ATI-Treiber „fglrx“ in der Version 8.34.8 mit. Da die Live-CD den Gnome-Desktop direkt in der Standard-Auflösung des Displays auf den Bildschirm zauberte, war Begeisterung angesagt. Suspend to Ram ging nach ein paar Konfigurationsänderungen auch – sieht doch gut aus. Dieser Eindruck sollte sich schlagartig ändern, als ich Doom 3 und Quake 4 ausprobierte. Beide Spiele liefen selbst mit 800×600 und niedrigen Details selten mit mehr als 20 FPS. Da war ich von meinem vorherigen System mit einer ATI X850XT unter Windows XP deutlich mehr Performance gewöhnt – und die V5250 basiert auf einem X1700…

Da ATI auf der Support-Website zu der Zeit den fglrx 8.35.5 als aktuellste Version für die FireGL anbot – für Radeon-Karten gabs im Juni immerhin schon 8.38.6 – installierte ich diesen. Probleme gabs keine. Allerdings verbesserte sich auch die 3D-Performance nicht. Da laut diverser Berichte im Forum von Phoronix die Versionen bis einschließlich 8.40.4 in der Hinsicht auch keine Besserung versprachen, sparte ich mir weitere Updates.

Dann kam der September und mit ihm die große Ankündigung, dass fglrx 8.41.7 kommt – mit neuem 3D-Code und deutlich mehr Performance. Der Release am 12. September brachte dann aber primär enttäuschte Gesichter: ATI hatte den Fokus auf die damals neuen Karten der HD2x00-Serie gelegt. Verbesserungen bei älteren Karten gab es kaum und Workstation-Hardware (FireGL) wurde garnicht unterstützt. Also wieder einen Monat warten…

Im Oktober kam dann erstmal Ubuntu 7.10 „Gutsy Gibbon“ welches einen neuen Kernel (2.6.22) und fglrx 8.37.6 mitbrachte. Etwa eine Woche später erblickte fglrx 8.42.3 das Licht der Welt. Und mit was für einer Neuerung: AIGLX-Unterstützung! Compiz (Fusion) läuft damit zwar noch immer nicht wirklich gut, aber es läuft immerhin. Allerdings noch immer keine Unterstützung für Workstation-Hardware. Also wieder einen Monat warten…

Einen fglrx 8.43 gab es im November nicht. ATI hatte kurzerhand beschlossen, den Linux-Treiber so wie seinen Windows-Pendant „Catalyst“ zu taufen, und auch die Versionsnummern anzugleichen. Also gab es nun „Catalyst 7-11“ – der intern aber immernoch fglrx heisst, und die Version 8.43.2 trägt. Großartige Fixes gab es keine, allerdings berichteten manche User von gravierenden Memoryleaks – von denen ich glücklicherweise verschont blieb. Workstation-Hardware wurde auch in dieser Version nicht unterstützt. Mittlerweile haben aber findige User herausgefunden, dass sich durch eine Modifikation im Treiber dieser auch mit FireGL-Karten benutzen lässt. Das probierte ich natürlich gleich aus, und siehe da: es läuft! Performance ist mittlerweile auch so gut, dass ich Enemy Territory:Quake Wars problemlos spielen kann. Dafür funktioniert nun Suspend2Ram nicht mehr, da der Kernel von Ubuntu Gutsy den „SLUB Memory Allocator“ benutzt, und fglrx damit nicht mag.

Schnee gab es im Dezember kaum, aber wenigstens einen neuen Catalyst: 7-12 aka. fglrx 8.44.3. Die Release Notes versprachen FireGL-Support, den es gleich zu testen galt. Das Gute zuerst: FireGL-Karten werden tatsächlich unterstützt. Allerdings gibt es einen neuen Bug: Auflösungen größer als 1280×1024 funktionieren nicht mehr. Also wieder zurück zu 7-11 und wieder einen Monat warten…

Neues Jahr, neues Glück – nicht für alle ATI-Benutzer: Letzte Woche wurde Catalyst 8-01 aka. fglrx 8.45.2 veröffentlicht. Was gibt es neues? Nun, der Auflösungs-Bug ist behoben. Dafür hängt sich der X-Server beim Beenden auf, und mit FireGL-Karten ist 3D unbenutzbar, wenn die Auflösung in der Breite kein Vielfaches von 64 ist. Nein, der letzte Teil ist kein Scherz! Also wieder zurück zu 7-11 und wieder einen Monat warten…

Da ich die Warterei langsam satt bin, habe ich mir nun einen Kernel mit „SLAB Memory Allocator“ kompiliert, mit dem Suspend2Ram nun wieder funktionert. Warten wir mal ab, mit welchen neuen Bugs die alten Fehler behoben werden…

ATI-Linux-Entwickler: Ich glaube an euch! Ich mag nur langsam nicht mehr warten…

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Hallo Alexander,
du hast mich gerade vor dem Kauf des T60p bewahrt. Ich hatte zwar schon die Vorahnung, dass es mit der ATI Karte nicht rosig aussieht, aber so schlimm hatte ich es mir nicht vorgestellt.
Bleibt abzuwarten wie es mit ATI weiter geht. Ich werd mich jedenfalls nach einem Thinkpad mit Intel bzw. Nvidia Karte umschauen.

Viele Grüße,
Chris

Hallo,
tje "leider" habe ich auch so einen T60p mit Ati V5250. Nun habei ch ein ganz anderes Problem. Nachdem ich einmal den aktuellen Treiber vom Januar probiert hatte (meiner Meinung nach unbrauchbar, da üble Mauseffekte vorhanden sind) wollte ich wieder auf meine ursprüngliche Konfiguration zurück mit:
sudo apt-get update
sudo apt-get install linux-restricted-modules-generic restricted-manager
sudo apt-get install xorg-driver-fglrx
sudo depmod -a

Das ging auch aber nun ist der Grafikaufbau EXTREM langsam. Kannst Du mir einen Tipp geben, wie ich auf den ursprünglichen Treiber zurückkomme? Oder überhaupt ein Tipp wie es einfach ist, verschiedene Treiber zu testen?

Oliver

Ich ärgere mich mittlerweile, dass ich nicht doch aufs T61p mit nvidia-Grafik gewartet habe… Ein gleichwertiges T61p gibt es für den gleichen Preis wie mein T60p letzten Juni.

Wie hast Du den Treiber denn installiert, Oliver? Wenn Du den Installer genutzt hast, müsste der eigentlich eine Uninstall-Option haben. Bei manueller Installation müssen alle Treiber-Packages deinstalliert werden. Schau mal auf http://wiki.cchtml.com/ ob Dir eine der Anleitungen dort weiterhilft. Falls Du auch Ubuntu Gutsy einsetzt, kann ich Dir gerne die Pakete von meinem Kernel und dem für FireGL modifizierten fglrx geben.

Alexander, ja ich habe auch Gutsy. Jetzt läufts beim mir wieder ienigermassen seit ich es irgendwie geschafft habe den ATI-Trieber deinstalliert zu bekommen. Nach bopoten und blindem tippen von sudo apt-get install xorg-driver-fglrx geht es jetzt 2D-mäßig wenigstens wieder.
Was insgesamt nur noch nervt ist der laute Lüfter, der wegen der "heissen" GPU immer um die 70°C ist und daher der Lüfter an ist. Und XP hatte ich da ein Programm tp-fancontrol mit dem man das regulieren konnte. Das gibts auch für Ubuntu, aber leider bewirkt das bei mir nichts. Irgendwie ist der T60p wegen der V5250 Grafikkarte echt eine vermurkste Kiste.

Deine pakete von Deinem Kernel mit dme angepassten fglrx würde ich aber trotzdem mal gerne probieren.

Zwar hatte ich in näherer Zukunft nicht vor, mir ein T60p zu kaufen, doch wird dies - nachdem ich diesen Text gelesen habe - wohl auch nicht passieren, sonst würde ich wohl nicht nur eine Menge Zeit, sondern auch Nerven verlieren. In diesem Sinne also danke dafür.

Dein Kommentar